Umstellung von einem vorhandenen auf ein serverbasiertes Netzwerk in einem kleinen Unternehmen

Eine der Hauptursachen dafür, dass viele kleine Unternehmen keinen zentralen Server nutzen, ist auf den Mangel an Wissen zurückzuführen, was ein Server ist und wie er in ein vorhandenes Netzwerk eingebunden werden kann. Die Möglichkeiten für kleine Unternehmen, sich eine probate Einstiegslösung zuzulegen, sind so günstig wie nie zuvor.

Zunächst muss Klarheit darüber herrschen, was ein Server bewirken kann. Ein Server, der nur für Dateien und Druckvorgänge eines Büros mit zehn Mitarbeitern vorgesehen ist, braucht nicht viel RAM und/oder Festplattenspeicher. Jedoch muss genug davon für die Erledigung aktueller Aufgaben und zukünftige Erweiterungen vorhanden sein. Auf jeden Fall sind zumindest ein Single- oder Dual-Core-Prozessor, 2 Gigabyte RAM und zwei SATA-Festplatten in einer RAID 1-Konfiguration erforderlich.

Im Auswahlprozess ist zunächst zwischen Tower- oder Rack-Server zu entscheiden. Wenn es sich um den ersten Server handelt, den das Unternehmen anschafft, ist es unwahrscheinlich, dass bereits ein Rack oder Gestell vorhanden ist. In solch einem Falle empfiehlt sich ein Tower-Server. Tower-Server sind nur wenig größer als normale Desktops und können unter einen Schreibtisch oder in eine Ecke eines Büroraums gestellt werden. Stellen Sie sicher, dass der Server über ausreichende Möglichkeiten zur Lüftung und Klimatisierung verfügt. Wenn Ihre Rechnerinfrastruktur wächst, können viele Tower-Server zu Rack-Servern umgerüstet werden.

Wenn die Zahl von Benutzern und Anwendungen des Servers zunimmt, sollten in erster Linie Speicher und RAM aufgerüstet werden. Rüsten Sie den Speicher auf ein RAID 5-Array mit mindestens drei Festplatten und um etwa 2 Gigabyte RAM auf, um sicherzustellen, dass genügend Kapazität für Ihre Anwendung vorhanden ist. Die meisten Einstiegsserver arbeiten mit mindestens vier Gigabyte RAM, was für die meisten kleinen Unternehmen mehr als ausreichend sein sollte.

Multi-Core-Prozessoren steigern die Leistungsfähigkeit eines Servers enorm, da mehrere Vorgänge viel effizienter als bei Single-Core-CPUs ausgeführt werden können. Wenn auf Ihrem Server neben Datei-, Drucker-, E-Mail- und anderen prozessorintensiven Anwendungen auch Datenbanken laufen, benötigen Sie mindestens eine Quad-Core-CPU wie beispielsweise Intel Xeon 5609. Eine Quad-Core-CPU bietet Ihnen eine erforderliche Leistung für zukünftige Anwendungen und Dienste.

Versuchen Sie auch, die Datenmenge zu bemessen, die Sie speichern werden, und vergessen Sie nicht, dass Sie diese Daten auf Band sichern müssen. Wenn Sie zwei 250-Gigabyte-Laufwerke in ein RAID 1-Array einbinden, stehen Ihnen insgesamt etwa 225 Gigabyte für die Dateispeicherung zur Verfügung. Die meisten kleinen Unternehmen benötigen nicht einmal einen Bruchteil dieser Kapazität, aber es ist immer angenehm, nach oben hin Spielraum zu haben.

STRATEGIE ZUR DATENSICHERUNG AUF EINEM SERVER 

Bei der Entscheidung, wie viel zusätzliche Festplattenkapazität hinzugefügt werden soll, und beim Planen Ihrer Bandsicherungsstrategie sollten Sie daran denken, dass Sie nur die Dateien auf dem Server sichern müssen, nicht aber den gesamten verfügbaren Festplatten Speicher. Wenn Sie also 225 Gigabyte zur Verfügung haben, aber nur 25 Gigabyte davon nutzen, sichern Sie 25 Gigabyte auf Band. Das bedeutet, dass kleinere und billigere Bandlaufwerke verwendet werden können. Da die Entwicklung schnell nach vorne geht, wurden unkomplizierte Plattenbasierende BackUp Lösungen entwickelt, die schnell solche Datenmengen sichern können auf Medien mit der Kapazität von bis zu 1 TB. Zu solchen Geräten gehört zum Beispiel der Dell RD1000. Für die meisten kleinen Unternehmen macht es sich wirklich bezahlt, alle Daten auf einem einzigen Medium zu speichern, da dadurch die Backup-Strategie bedeutend vereinfacht und zudem der gesamte Sicherungsvorgang optimiert wird. Die Sicherungslösungen erlauben zudem eine Kompression der gesicherten Daten meistens im Verhältnis 2:1. Da es allerdings praktisch fast unmöglich ist, eine 2:1-Komprimierung zu erreichen, sollten Sie von einem niedrigeren Verhältnis ausgehen.

Sobald Sie sich für eine Datensicherungsstrategie entschieden haben, müssen Sie einen Bandrotationsplan erstellen, bei dem die Bänder regelmäßig nach Ablauf einiger Wochen überschrieben werden. Die neuesten Sicherungskopien werden intern aufbewahrt oder zur sicheren Aufbewahrung an einen anderen Ort gebracht.

Mit genügend Speicherkapazität auf dem Server können Sie sogar die Desktops und Notebooks Ihrer Mitarbeiter erst auf dem Server und dann auf Band sichern. Dies kann sehr praktisch sein, wenn Notebooks beschädigt werden oder verloren gehen. In jedem Fall ist eine solide Datensicherungsstrategie eine absolute Voraussetzung, um Datenverlust durch Katastrophen vorzubeugen.

Eine weitere Möglichkeit der Datensicherung ist die Nutzung eines Drittanbieter-Service – eines Unternehmens, das Online-Datensicherungsdienste anbietet. Diese Art der Datensicherung kommt für Sie in Frage, wenn Sie keine großen Datenmengen sichern müssen und über genügend Aufwärtsbandbreite verfügen, um die bedeutenden Datenmengen zu unterstützen, die regelmäßig zum Online-Datensicherungsanbieter gesendet werden.

 
WAHL DES BETRIEBSSYSTEMS

Nachdem Sie die hardwaretechnischen Voraussetzungen für Ihren Server geschaffen haben, müssen Sie entscheiden, welches Betriebssystem auf dem Server laufen soll. Die meisten kleinen Unternehmen verwenden Microsoft Small Business Server, eine Lösung, die Datei- und Druckanwendungen, Verzeichnis- und Domänendienste, E-Mail- und Web-Dienste sowie einen Host mit weiteren Anwendungen bietet. Microsoft SBS ist eine Lösung für kleine Unternehmen, die vielfältige Funktionen bereitstellen soll und nicht besonders gut anpassbar ist. Dies stellt für die meisten kleinen Unternehmen kein Problem dar, insbesondere nicht für diejenigen, die sich gerade den allerersten Server zulegen. Mit dem Wachstum eines Unternehmens wird Microsoft SBS wahrscheinlich nicht mehr den Ansprüchen genügen, ist aber eine gute Einstiegslösung.

Microsoft SBS ist nicht gerade billig. Eine Lizenz für Microsoft SBS 2008 kostet etwa 1.000 USD. Da das wahrscheinlich teurer als die Serverhardware ist, sollten Sie sicher sein, dass sich diese Ausgabe rechnet. Es gibt Linux Lösungen die ähnliche Funktionen wie Microsoft SBS für weniger Geld bieten. Allerdings sind diese Lösungen weniger gängig und können mehr Aufwand für die Implementierung erfordern.

Auch sollten Sie den Aufbau des bestehenden Netzwerks berücksichtigen und gegebenenfalls den Netzwerk-Switch auf einen Gigabit-Switch umstellen. Die meisten kleinen Unternehmen haben einen 100-Megabit-Switch, der keine Konfiguration erfordert. Wird für diesen Switch ein neuer Gigabit-Switch verwendet, nimmt die Servergeschwindigkeit spürbar zu, selbst wenn die Workstations keine Gigabit-Netzwerkadapter haben, was jedoch unerheblich ist, da der Server eine Gigabit-Schnittstelle hat.

Nachdem der Server ausgewählt und bereitgestellt wurde, müssen der Server, das Netzwerk und die Desktop-Systeme neu konfiguriert werden. Mit etwas praktischer Erfahrung und einigen Anläufen werden Sie die Installation wahrscheinlich selbst durchführen können. Sie können aber auch einen Fachmann hinzuziehen, der diese Aufgabe für Sie übernimmt. Außerdem sollten Sie einen oder mehrere Ihrer Mitarbeiter mit grundlegenden Verwaltungsaufgaben vertraut machen, wie beispielsweise Hinzufügen von Benutzern, Umgang mit Bandsicherungssoftware usw. Obwohl es möglich ist, die Datensicherung im Unternehmen durchzuführen, sollten Sie auf eine fachkundige Person zurückgreifen können, die Sie telefonisch beraten kann, falls Probleme auftauchen.

Wie bei jedem Tool für den Unternehmenseinsatz können bestimmte Funktionen vom Server ausgeführt werden. Die Übertragung dieser Funktionen auf den neuen Server kann sich allerdings als nachteilig erweisen. Obwohl es viele Unternehmen vorteilhaft finden, ihre eigene E-Mail zu hosten und vom aktuellen Serviceanbieter zu übernehmen, würden sie wahrscheinlich nicht versuchen, ihre eigene Website zu hosten. Der Webhosting-Anbieter hat schnelleren und stabileren Internetzugang als das Unternehmen, und die Website kann schneller aufgebaut werden und ist in höherem Maße verfügbar, wenn sie beim Webhosting-Anbieter bleibt und nicht auf einen neuen Server umgesetzt wird.

Kurz zusammengefasst ist das alles, was Sie über serverbasierte Datenverarbeitung wissen sollten – zumindest fürs Erste. Die Einbindung eines Servers in ein kleines Unternehmensnetzwerk ist nicht unbedingt eine komplexe Aufgabe, aber der Nutzen ist immens, und der Einsatz eines Servers in Ihrem kleinen Unternehmen ist ein Meilenstein auf dem Weg zu beschleunigtem Wachstum.