„Augen auf und durch!“

Ihr Unternehmen Granny Aupair wurde von der Initiative „Deutschland – Land der Ideen“ prämiert, sie selbst wurde für den Deutschen Alterspreis der Robert-Bosch-Stiftung nominiert und erhielt vom Cultural Entrepreneurship Institut Berlin den Award „Ethik und Reisen“. Michaela Hansen ist erfolgreiche Unternehmensgründerin und Teilnehmerin am diesjährigen DWEN-Event (Dell Women’s Entrepreneur Network) in Istanbul. Dort hatten wir Gelegenheit, mit ihr zu sprechen.


Frau Hansen: Sie sind nun schon zum zweiten Mal beim DWEN-Event dabei. Was hat Sie dazu bewogen, in diesem Jahr wieder teilzunehmen?

Im letzten Jahr hat mich Dell zu DWEN nach Neu Delhi eingeladen, und ich wusste nicht, was mich dort erwartet. Heute kann ich sagen: Es war einfach nur großartig. Ich war total begeistert von der perfekten Organisation und den vielen interessanten Frauen, die ich kennenlernen und erleben durfte.

Welche Eindrücke nehmen Sie vom diesjährigen Event in Istanbul mit nach Hause?

Ich dachte, Neu Delhi sei nicht zu toppen. In diesem Jahr erlebe ich das Event aber noch intensiver. Die Energie hier ist einfach fantastisch. Die Offenheit der Frauen beeindruckt mich wirklich sehr. Frauen sind bereit, ihre Erfahrungen und Gefühle zu teilen – auch im Business. Sie machen anderen Frauen Mut, auf ihrem eingeschlagenen Weg zu bleiben, auch wenn es Höhen und Tiefen gibt.

Sie sind selbst erfolgreiche Gründerin der Agentur Granny Aupair. Wie kamen Sie auf die Idee, eine Aupair-Vermittlung für Frauen 50 plus ins Leben zu rufen?

Das ist schnell erzählt: Mit 19 geheiratet, mit 20 das erste und mit 21 Jahren das zweite Kind. Der Traum, in jungen Jahren als Aupair ins Ausland zu gehen, platzte. Jahrzehnte später packte mich das Fernweh, und da habe ich mir irgendwann gedacht: So wie mir geht es vielleicht auch anderen Frauen, die sich vital fühlen und diese Erfahrung in jungen Jahren nicht machen konnten. Die Idee, Frauen über 50 in Gastfamilien zu vermitteln, war geboren. Und sie ist eingeschlagen wie eine Bombe. 
Michaela Hansen


Sie gelten als „First-Mover" in der Boombranche der Generation 50 plus. Welche Chancen sehen Sie für Unternehmerinnen in diesem Alter?

Frauen jenseits der 50 werden in unserer Gesellschaft leider nicht wertgeschätzt – weder als Unternehmerinnen noch als Konsumentinnen. Ein großer Fehler! Denn Frauen über 50 sind sozial kompetent, tatkräftig, souverän, verantwortungsbewusst und lebenserfahren, aber auch spontan und neugierig. Unternehmerinnen in diesem Alter bringen also die besten Voraussetzungen für ihr Business mit. Ich fühle mich stärker denn je und muss nicht mehr den Spagat zwischen Kindern und Karriere machen. Es ist ein tolles Gefühl, mich ganz und gar auf mein Unternehmen zu konzentrieren und zu sehen, wie es wächst.

In diesem Jahr startet beim DWEN-Event eine Pay-it-Forward-Initiative, bei der bereits erfolgreiche Firmeninhaberinnen aufstrebende Unternehmerinnen unterstützen. Was halten Sie davon?

In einer von Männern dominierte Geschäftswelt, ist es sehr wichtig, dass erfolgreiche Unternehmerinnen anderen Frauen helfen, die vielleicht gerade mit einem Business gestartet sind oder ihr Geschäft weiterentwickeln möchten. Ich habe das Gefühl, dass Frauen gern teilen – auch ihre Erfahrungen. Ich empfinde es als Bereicherung, über DWEN mit so vielen Frauen rund um den Globus verbunden zu sein und zu wissen: Wenn ich Hilfe brauche, dann bekomme ich sie auch.

Welche Erfahrungen möchten Sie an Frauen weitergeben, die jetzt vor der Entscheidung stehen, ein Unternehmen zu gründen?

Aller Anfang ist schwer. Man geht weit aus seiner Komfortzone heraus, und das macht vielleicht erst einmal Angst. Mein bewährtes Motto lautet: Eins führt zum anderen. Jeder Schritt, jede Begegnung führt mich weiter. Man muss nur loslaufen, selbst auf die Gefahr hin, dass man zwischendurch auch mal auf die Nase fällt. Dafür sollte man aber offen und wach sein sowie Vertrauen haben – in sich und andere.
Also: Augen auf und durch!