„Den optimalen Zeitpunkt gibt es nicht“

Alexandra Knauer ist Geschäftsführerin und Alleineigentümerin der Wissenschaftliche Gerätebau Dr. Ing. Herbert Knauer GmbH in Berlin. In schweren Zeiten war sie in das Unternehmen ihrer Eltern eingestiegen und half tatkräftig dabei mit, den Betrieb aus der Krise zu führen. Auf dem anstehenden Event des Dell Woman’s Entrepreneurs Network DWEN (2. bis 4. Juni in Istanbul) wird die Betriebswirtin über ihre Erfahrungen in Sachen Unternehmensnachfolge berichten.


Alexandra KnauerFrau Knauer: Mit DWEN bietet Dell Unternehmerinnen und Gründerinnen mittelständischer Betriebe eine internationale Plattform um Erfahrungen, Ideen und best practices zu teilen und von den Erfahrungen Anderer zu profitieren. Zu den Aktivitäten dieses Netzwerks gehört auch ein regelmäßiges internationales Event, das in diesem Jahr in Istanbul stattfinden wird. Was erwarten Sie sich von dem Treffen?

Die Vorfreude ist groß. Ich möchte viele ambitionierte Frauen aus verschiedenen Ländern kennenlernen und neue, dauerhafte Kontakte knüpfen. Außerdem hoffe ich auf neue Anregungen für meine persönliche Weiterentwicklung und die meines Unternehmens. Und nicht zuletzt will ich auch andere Frauen ermutigen, Führungspositionen zu übernehmen oder sich selbstständig zu machen.


Wie kam es zu Ihrem Einstieg in den elterlichen Betrieb?

Meine Eltern hatten vor 50 Jahren in Berlin ein Unternehmen für die Herstellung von Labormessgeräten gegründet. Das lief zunächst sehr gut. Als dann in Deutschland die Wende kam, geriet der Betrieb allerdings in eine schwere Krise. Das sah ich als Herausforderung und auch Chance für mich. Ich wollte das Lebenswerk meiner Eltern retten und begann, aktiv daran mitzuarbeiten, das Unternehmen wieder in die Erfolgsspur zu bringen. Schnell stellte sich heraus, dass ich dabei wirklich etwas bewegen kann. Und als wir dann wieder schwarze Zahlen schrieben, machte es mir auch zunehmend Freude, das Unternehmen zu leiten.

Welche Schwierigkeiten gab es und wie sind Sie damit umgegangen?

Wir mussten 1994 rund 25 Mitarbeitern kündigen und das fiel uns alles andere als leicht. Nach dieser schwierigen Phase ging ich aber mit viel jugendlichem Schwung daran, das Unternehmen zu restrukturieren und zu modernisieren. Die Zusammenarbeit mit meinen Eltern war dabei aber nicht immer einfach. Aus einer Eltern-Kind-Beziehung musste erst ein gleichberechtigtes berufliches Verhältnis entstehen. Für die Mitarbeiter war mein Einstieg übrigens kein Problem. Da meine Mutter über Jahrzehnte Geschäftsführerin war, war eine weibliche Vorgesetzte nichts Ungewöhnliches.

Welche Neuerungen haben Sie im Unternehmen eingeführt?

Ich sorgte mit neuen Führungskräften und Vertriebsmitarbeitern dafür, dass frische Ideen und neuer Schwung in die Firma kamen. Außerdem war es mir wichtig, den Abteilungsleitern mehr Handlungs- und Entscheidungsspielraum zu geben. Darüber hinaus haben wir ein Qualitätsmanagementsystem eingeführt. Meine Eltern waren über die Veränderungen und meine Entwicklung so glücklich, dass sie mir im Dezember 2000 das Unternehmen schenkten.

Der Erfolg gibt Ihnen Recht. Ihr Unternehmen zählt zu den innovativsten Mittelständlern in Deutschland, den besten Arbeitgebern in Berlin, und Sie selbst erhielten 2010 den „Prix Veuve Clicquot“ als Unternehmerin des Jahres. Welche Erfahrungen können Sie an Frauen weitergeben, die vor einem ähnlichen Schritt stehen?

Den optimalen Zeitpunkt für die Übernahme einer Firma, an dem wirklich alles passt, gibt es nicht. Gründer und Nachfolger benötigen eine Menge Mut und auch sehr viel gegenseitiges Vertrauen. Ich empfehle, sich professionelle Begleitung durch spezialisierte Berater zu holen. Die Anforderungen an Unternehmerinnen sind sehr hoch, und davor darf man nicht zurückschrecken. Von ihnen werden heute nicht nur steigende Gewinne erwartet, sondern auch, dass sie sich für Mitarbeiter, die Gesellschaft und die Umwelt einsetzen.