„Anderen Gründern zu helfen ist die Pflicht eines jeden Unternehmers“

Catharina van Delden ist Mitbegründerin und Geschäftsführerin der innosabi GmbH, die mit ihren internetbasierten Co-Creation-Toolkits Unternehmen dabei hilft, im Online-Dialog mit ihren Kunden neue Produkte und Geschäftsideen zu kreieren. Zu den Kunden von innosabi zählen dm, Daimler, Ford, EDEKA, Kärcher, Continental, Manhattan Nagellack, OSRAM und Görtz. Die 28-jährige und ihr Unternehmen wurden vielfach ausgezeichnet, unter anderem durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie als bestes IKT StartUp 2011. Im Interview verrät van Delden, wie wertvoll Netzwerke wie DWEN für Gründerinnen sind.


Frau van Delden: Sie haben schon während des Studiums den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt. War das nicht riskant?

Nein, ganz im Gegenteil, das hat uns die ganze Sache sogar eher erleichtert. Ich war während meines Studiums im
Marketing von OSRAM angestellt, und als wir die Idee für die Gründung des Unternehmens hatten, hat mein dortiger Chef uns voll unterstützt. Wir konnten bei OSRAM ein Testprojekt durchführen, dann durften wir unsere Idee bei Siemens vorstellen, wobei auch ein Vertreter von Daimler vor Ort war. So haben wir nach und nach Kunden gewonnen und konnten uns weiterentwickeln.

Dennoch gab es sicher auch Herausforderungen. Welche Tipps können Sie aus Ihrer persönlichen Erfahrung heraus anderen Gründerinnen geben?

Es ist wirklich ganz entscheidend, sich über sein Geschäftsmodell im Klaren zu sein. Am Anfang glaubt man zu wissen, was das eigene Produkt oder die eigene Dienstleistung ist. Es gibt aber unzählige Arten, ein- und dieselbe Idee zu verkaufen. Deshalb muss man sich gründlich Gedanken darüber machen, welche die lukrativste, die effizienteste und auch diejenige ist, die am besten zum Team passt. Das sollte man aus lauter Begeisterung über die eigentliche Geschäftsidee nicht aus den Augen verlieren.

Sie sind in mehreren Netzwerken aktiv. Worin sehen Sie die Vorteile?

Ein gutes Netzwerk ist unglaublich wertvoll. Wir konnten selbst auf viele Unterstützer bauen, die uns übrigens nicht aus Profitlust, sondern aus Sympathie geholfen haben, oder, weil sie einfach generell Unternehmensgründungen unterstützen möchten. Auch der innosabi-Beirat, in dem unter anderem Barbara Wittmann von Dell und Dr. Stefan Ried von Forrester Research vertreten sind, steht uns mit Rat und Tat zur Seite. Ich muss ganz offen zugeben, dass ich das zu Beginn unterschätzt habe. Ich dachte, Netzwerke seien lediglich „nice to have“. Dass sie aber tatsächlich einen echten Geschäftswert haben, wurde mir erst später klar.
Catharina van Delden


Außerdem höre ich aus meinem persönlichen Umfeld immer wieder, dass sich viele Frauen eine Unternehmensgründung einfach nicht zutrauen und zu mir sagen: Ich könnte das nie! Ich wünsche mir deshalb, dass sie mehr Vertrauen und Selbstbewusstsein haben. Gerade ein Frauen-Netzwerk wie DWEN kann dieses Selbstvertrauen erzeugen, indem es zeigt: Andere Frauen haben es auch geschafft. Man muss es einfach nur anpacken!

Istanbul war Ihr erstes DWEN-Meeting und Sie haben dort ein PreConference Lab geleitet. Wie fanden Sie das Treffen?

Ich war wirklich überwältigt. Die Qualität der Vorträge und Diskussionen hat mich absolut begeistert. Auch das Ausmaß des Netzwerks und die Bereitschaft der Teilnehmer, sich zu vernetzten, war beeindruckend, und ich konnte viele tolle Persönlichkeiten kennenlernen. Außerdem war das Meeting hervorragend organisiert.

Wie schätzen sie die auf dem Treffen gestartete Pay-it-Forward-Initiative ein?

Damit rennt DWEN bei mir offene Türen ein. Nach all der Hilfe, die ich selbst erfahren habe, ist meine Meinung eindeutig: Anderen Gründern zu helfen, ist die Pflicht jedes Unternehmers. Und deshalb gebe ich auch schon länger die Hilfe, die ich erfahren habe, an andere weiter. Ich halte beispielsweise viele Vorträge an Unis oder beteilige mich an Podiumsdiskussionen. Ich möchte dort den Studenten die Möglichkeit geben, jemanden kennenzulernen, der selbst gegründet hat, und helfe dabei, Kontakte herzustellen. Denn wie gesagt: Netzwerke sind das A und O.