Der Kulturwandel findet bereits statt

Das Thema "Frauen und Karriere" hat in den letzten Jahren selbst eine erstaunliche Karriere gemacht. Vor zehn Jahren war dies noch eine Nischen¬diskussion - nichts, was die öffentliche Diskussion sonderlich beschäftigt hätte. Heute ist das ganz anders: Das Thema ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen, hat den Sprung auf die Titelseiten von Tageszeitungen, in die Tagesschau oder das "heute journal" geschafft und ist auch in den einschlägigen Talkshows präsent. Man diskutiert über "die Quote", aber auch über Rollenverständnis, Aufstiegsmöglichkeiten, unterschiedliche Familienbilder, die "gläserne Decke" und über Entgeltstrukturen.

Und es wird keineswegs nur geredet: Im Hintergrund steht ein gesellschaftlicher Wandel. Geschlechtsspezifische Diskriminierung ist heute für Unternehmen wie für öffentliche Einrichtungen ein absolutes No-Go geworden und lässt sich nicht mehr mit einem "das war schon immer so" vom Tisch wischen. Unternehmen, deren Führungsriegen einen unterproportionalen Frauenanteil aufweisen, müssen sich heute dafür rechtfertigen. Sie spüren Gegenwind aus den Medien, mitunter sogar von Anteilseignern. Wir haben diese Entwicklung auch in den Diskussionen in unserem Netzwerk DWEN festgestellt: Für Unternehmensgründerinnen und selbstständige Unternehmerinnen ist das Umfeld positiver geworden, und sie stehen heute nicht mehr unter Rechtfertigungsdruck. Der weibliche Chef oder die Geschäftsführerin ist mittlerweile weder ein Anlass zum Staunen noch zum Kopfschütteln. Die Exoten sind heute die anderen.

Insofern haben die Frauen in den letzten Jahren tatsächlich eine Menge erreicht. Der Fokus auf Karrieremöglichkeiten, auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie und die konsequente Zurückweisung von Diskriminierung hat sich ausgezahlt.
Das heißt nicht, dass sich das Thema damit erledigt hätte. Erreicht wurde zunächst einmal ein neues gesellschaftliches Klima, eine neue Kultur der Diversität. Die Gesellschaft denkt heute anders über Frauen und Karriere, und auch über die Rolle von Unternehmerinnen. Trotz aller Fortschritte hinkt die Realität in vielen Unternehmen diesem Kulturwandel oft noch deutlich hinterher. Allgemein akzeptiert ist es zwar, dass Frauen auch in Top-Positionen ihren Platz finden oder als Unternehmerinnen Verantwortung tragen, aber angekommen sind dort erst wenige. Zwar suchen dem Vernehmen nach Headhunter neuerdings händeringend nach gut ausgebildeten Ingenieurinnen für Spitzenpositionen, aber sie tun sich damit schwer, weil in Schulen und Universitäten Frauen in den MINT-Fächern noch immer rar sind. Und natürlich gibt es erfolgreiche Unternehmensgründerinnen, aber es könnten schon noch ein paar mehr sein. In der alltäglichen Praxis bleibt die Vereinbarkeit von Beruf und Familie eine Herausforderung, in der Mehrzahl der Fälle nach wie vor eine für die Frauen.
Barbara Wittmann,
General Manager & Executive Director Preferred Accounts Germany
Managing Director Dell Germany
Und aktives Mitglied bei DWEN:

Barbara Wittman


Es gibt also noch eine Menge zu tun, bis der angesprochene kulturelle Klimawandel auch alltägliche Realität wird, bis nicht nur Auffassungen verändert, sondern auch die zahlreichen praktischen Hürden beiseite geräumt sind. Erst wenn auch hier ein umfassender Erfolg zu verzeichnen ist, hat sich das Thema "Frauen und Karriere" wirklich erledigt. Aber die Entwicklung der letzten Jahre zeigt, dass wir dabei immerhin auf einem guten Weg sind. Mit DWEN, unserem internationalen Netzwerk für Unternehmerinnen und Frauen in Führungspositionen, wollen wir einen Beitrag leisten, damit es weiter vorangeht.

Was ist DWEN?

DWEN, das "Dell Women's Enterpreneur Network", ist ein internationales Netzwerk für Unternehmerinnen und Frauen in Führungspositionen. DWEN bietet eine informelle Plattform für den Austausch von Ideen und Meinungen, aber auch, um Kontakte zu anderen Unternehmerinnen zu knüpfen. Die Teilnehmerinnen treffen sich einmal im Jahr; nach Shanghai, Rio de Janeiro und Neu-Delhi fand das DWEN-Treffen 2013 in Istanbul statt. Hier kamen vom 2. bis 4. Juni 2013 über 150 Top-Unter¬nehmerinnen, weibliche Führungskräfte und Medienvertreterinnen aus der ganzen Welt zum Erfahrungsaustausch zusammen.